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Bild (NÖKU): Landestheater Niederösterreich

Pygmalion

Theater/Kabarett

Landestheater Niederösterreich, Großes Haus

Rathausplatz 11, 3100 St. Pölten

Do 11.05.2023 ab 19:30 Uhr (weitere Termine anzeigen)


Landestheater Niederösterreich


Beschreibung

Eliza Doolittle arbeitet als Blumenverkäuferin auf dem Markt. Mit losem Mundwerk und proletarischem Selbstbewusstsein ausgestattet, trifft sie auf den Phonetikprofessor Higgins. In seiner Profession erkennt sie die Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg und bittet ihn um Sprechunterricht. Nach erstem Zögern beschließt Higgins, an Eliza ein Exempel zu statuieren. Er wettet mit seinem Kollegen Pickering, aus dem „Blumenmädchen“ eine Dame der Gesellschaft machen zu können. Voll Eifer nimmt er Eliza bei sich auf und beginnt, sie nach seinen Vorstellungen zu einem perfekt integrierten Wesen der Upper Class zu formen.
Aus heutiger Sicht liest sich „Pygmalion“ als Manifestierung des Diktums von Simone de Beauvoir, dass man nicht als Frau zur Welt kommt, sondern dazu gemacht wird, wobei das Stück die Geschlechterfrage mit Fragen von Klassenbewusstsein verbindet. Dieses „Gemachtwerden“ ist auch Kern des dem Stück zugrunde liegenden Mythos aus Ovids „Metamorphosen“: Ein Künstler schafft aus Marmor die Statue einer Frau, der er verfällt, und die von der Göttin Venus zum Leben erweckt wird.
George Bernard Shaws Parabel über sexistische Erwartungen an Frauen und über die Verachtung der oberen für die unteren Klassen wurde 1913 im Wiener Burgtheater uraufgeführt. Popkulturell verewigt und um eine Liebesgeschichte ergänzt, wird das Stück in den 1950er-Jahren durch das Musical „My Fair Lady“ neu erzählt.
Die Regisseurin Ruth Brauer-Kvam kehrt nach ihren gefeierten Inszenierungen „Molières Schule der Frauen“ und „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ ans Landestheater zurück. Lustvoll und zugleich provokant wird sie in ihrer musikalisch-theatralen Version die patriarchale Welt aus den Angeln heben und den Mythos für das 21. Jahrhundert deuten.
Erhältlich in folgenden Abos
Premieren-AboWochentags-AboSchnupper-AboNachmittags-Abo
Interview mit Ruth Brauer-Kvam
„Pygmalion“ ist ein Mythos aus den „Metamorphosen“ Ovids, der von einem Bildhauer erzählt, der sich in eine Statue verliebt und Venus bittet, sie lebendig werden zu lassen. Von welcher Art von Verwandlung erzählt das Stück von George Bernard Shaw?
Für mich gibt es in dem Stück „Pygmalion“ drei Verwandlungen, die erste ist natürlich die der Eliza, die sich durch Mut, Klugheit, Ehrgeiz und nicht zuletzt auch durch ihren guten Lehrer Higgins in eine unabhängige, starke Frau verwandelt. Von einem Wesen, das auf der Straße seine Blumen verkauft – immer in Gefahr, immer hungrig und frierend –, verwandelt sie sich in eine Frau, die ihr Leben aus ihrer inneren Kraft heraus meistert. Sie hat es nicht mehr nötig zu kämpfen, sie kann aus dem, was sie gelernt hat, schöpfen und sogar andere unterrichten. Henry Higgins durchläuft auch eine Verwandlung. Eliza hat etwas in ihm gerührt, er hat sich an einen Menschen „gewöhnt“. Der Einzelgänger möchte plötzlich nicht mehr allein leben. Aber auch die Gesellschaft durchläuft eine Verwandlung. London im ausklingenden viktorianischen Zeitalter ist eine Epoche voller Wandel und Unruhe – nicht unähnlich unserer Zeit!
Welche heute drängenden Fragen spricht Shaw in seinem Stück an?
Das Stück „Pygmalion“ zeigt uns, wie wichtig Bildung und Sprache sind. Das ist heute genauso gültig, wie damals. Wenn Menschen zu uns kommen, aus anderen Kulturen, und bei uns Schutz und Arbeit suchen – dann ist der wichtigste und erste Schritt für eine gute Integration: die Sprache. Aber auch das Verstehen darum, wie man in unserer Gesellschaft miteinander umgeht, was für ungeschriebene „Regeln“ es hier gibt, die es vielleicht in anderen Ländern nicht gibt. Auf welche Grundprinzipien haben wir uns verständigt? Was macht uns zu einer inklusiven, offenen Gesellschaft: Ich denke, ein freier Zugang zu Bildung und dadurch auch zum Arbeitsmarkt. Das ist doch das, was wir alle wollen, egal wo wir herkommen: Ein selbständiges Leben führen, in dem wir uns weiter entwickeln könne